05.11.2012 - Liederkranz Sondelfingen: »Mensch braucht Verbundenheit«

REUTLINGEN-SONDELFINGEN. Mucksmäuschenstill ist es in der Sondelfinger Stephanuskirche - schon Minuten vor Beginn der Ehrunsmatinee. Die Reihen sind gut gefüllt. Vorne hat sich der Liederkranz im Halbkreis aufgestellt. Mit dem - nach Chorleiter Robert Wielands Meinung - schwierigsten Stück der Matinee »Das Morgenrot« stellen die rund 35 Sängerinnen und Sänger gleich mal ihre Sangeskraft unter Beweis.

Die geehrten Mitglieder des Liederkranzes Sondelfingen mit dem Vereinsvorsitzenden Karl Ulrich Ruggaber (ganz links).  FOTO: SCHREIER
Die geehrten Mitglieder des Liederkranzes Sondelfingen mit dem Vereinsvorsitzenden Karl Ulrich Ruggaber (ganz links).
FOTO: Martin Schreier

Der Vorsitzende Karl-Ulrich Ruggaber heißt alle willkommen, darunter Bezirksbürgermeister Werner Schenk, den ehemaligen Staatssekretär Dieter Hillebrand samt Gemahlin sowie die Vorsitzende des Bezirks Achalm im Chorverband Ludwig Uhland, Renate Ruck. Der kühlen Jahreszeit zollt der Liederkranz mit »Bunt sind schon die Wälder« Tribut bevor die Männer das andere Geschlecht besingen: »Verliebt sich ein Mädchen, der Teufel ist los. Da hilft keine Türe, kein Riegel, kein Schloss.« 

Drei »60er«

Wie jedes Jahr ehrt der Liederkranz bei der Matinee elf seiner langjährigen Mitglieder. »Zusammengefasst darf ich heute insgesamt 500 Mitgliedsjahre ehren«, so der Vorsitzende Ruggaber. Geehrt werden Elisabeth Hild, Rolf Thumm und Oskar Schenk für sechzig Jahre Mitgliedschaft, Karl Luik und Heinz Riessler für fünfzig, Ute Klemt für vierzig sowie Maria Riedle und Lore Wandel für dreißig Jahre Mitgliedschaft. Martha Griesinger war bereits im September in der Seniorenresidenz Abstatt für sechzig Jahre geehrt worden. Für dreißig Mitgliedsjahre gibt es die goldene Vereinsnadel des Liederkranzes, für fünfzig Jahre einen Römer mit persönlicher Widmung. Die Vereinsmitglieder Karl Luik, Heinz Reichel und Walter Schenk werden zu Ehrenmitgliedern ernannt, erhalten eine entsprechende Urkunde und sind künftig von der Beitragszahlung befreit. Die Passage in der Vereinssatzung stammt sicherlich aus einer Zeit, in der sich noch kein Mensch über die wachsende Lebenserwartung und den demographischen Wandel Gedanken gemacht hat. Denn mittlerweile sind etwa ein Drittel der 162 Vereinsmitglieder Ehrenmitglieder - und beitragsfrei. Schließlich werden noch zwei langjährige aktive Sänger geehrt. »Dreißig Jahre Singen im Verein entspricht nach überschlägiger Hochrechnung circa 1 800 Stunden Singen«, lobt Ruggaber die Mitglieder Heinz Riedle und Karl Gärtner. Sie erhalten mit dem goldenen Sängerring die höchste Auszeichnung des Liederkranzes und können einer weiteren Ehrung durch den Chorverband Ludwig Uhland entgegenfiebern. Chorleiter Robert Wieland wird für sein Wirken mit einem riesigen Hefezopf belohnt. Eine Besonderheit unter den Geehrten ist Karl Luik. Er hat nie im Chor gesungen. Warum nur war er nun schon über fünfzig Jahre im Liederkranz? »Der Mensch braucht Verbundenheit«, sagt der Landwirt. Er habe leider nie genügend Zeit gehabt, um aktiv am Chorleben teilzunehmen. »Ich hatte einfach zu viel Arbeit.« Trotzdem habe er viel Freude an der Musik und deswegen unterwegs auf dem Trecker gerne ein Lied geträllert. So still die Matinee begonnen hat, so lebhaft geht sie nach einer Zugabe bei einem Gläschen Sekt und guter Unterhaltung zu Ende. (GEA)