Wellness für die Ohren

VON ELKE SCHÄLE-SCHMITT

Ein feines »Allerweltsprogramm« war der zweite Streich im Jubiläumsjahr des Sondelfinger Liederkranzes

REUTLINGEN-SONDELFINGEN. Freunde der Chormusik - und der Musik überhaupt - kommen in diesem Jahr in Sondelfingen voll auf ihre Kosten, denn der Liederkranz feiert sein 125-jähriges Bestehen; und das nicht etwa mit einer einzelnen Veranstaltung, sondern gleich mit sieben, über das ganze Jahr verteilt.

Nach der festlichen Matinee im März stand am Samstag das Jubiläumskonzert in der Sondelfinger Festhalle an, unter dem vielversprechenden Motto »In achtzig Minuten um die Welt«. Zum heiter-beschwingten Programm mit bekannten Operetten-, Film- und Schlagermelodien aus bald jedem Winkel der Erde hatte man sich das meisterhaft aufspielende Salonorchester der Musikschule

Filderstadt unter der Leitung von Cornelia Schlichte als Konzertpartner eingeladen; dazu die Pianistin Elena Wackenhut, den Perkussionisten und Xylofonspieler Simon Riedesser sowie den Tenor Christoph Schimeczek.

Abwechslung und Vielfalt

Für Abwechslung und Vielfalt war also bestens gesorgt: gemischter Chor oder nur die Frauen, Chor mit Orchester, das Salonorchester pur oder den Tenor begleitend. Der Melodienreigen reichte vom augenzwinkernden Künneke-Couplet mit den Bananen werfenden Amazonas-Affen über die schöne, seltengehörte Chorversion von Reinhard Meys Beinahe-Gassenhauer »Über den Wolken«, den einschmeichelnd weich besungenen Frauenfreund »Bel Ami« oder die selig walzenden »Tulpen aus Amsterdam« bis zum im Tangorhythmus gerühmten »bella Napoli«.

Ein gerade in seiner Leichtigkeit ausgesprochen ambitioniertes Programm hatte Chorleiter Robert Wieland da zusammengestellt, Wellness für die Ohren sozusagen - und für die Seele. Das Ganze gut gelaunt und mit vielen interessanten Details kommentiert und moderiert vom Liederkranz-Vorsitzenden Karl-Ulrich Ruggaber, der zu fast jedem Titel eine hübsche kleine Anekdote zu erzählen wusste.

Die gut 200 Zuhörer in der Sondelfinger Festhalle hatten ihre Freude daran und sparten nicht mit Beifall.

Der wuchs sich gar zum Jubel aus, als Simon Riedesser am Xylofon den »Zirkus-Renz-Galopp« vortrug. Schon als der junge Musiker im Vorfeld sein Jackett ablegte, konnte man ahnen, dass eine geradezu sportliche Höchstleistung auf dem Feld der Musik bevorstand. Und so kam es dann auch: In atemberaubendem Tempo wirbelten die Xylofonschlägel durch die Luft, dass sie nicht mehr zu sehen waren, wohl aber mit wunderbarem Klang zu hören. Wen wundert's, dass das Publikum dem Künstler das Bravourstück als Zugabe ein zweites Mal abverlangte?

 Nach so viel Professionalität sind bei der nächsten Veranstaltung die Laien am Zug: In einer Art Sängerwettstreit dürfen sich beim »Heimatabend« am 17. Juli Kandidaten der örtlichen Vereine stimmlich miteinander messen. Sondelfingen sucht den Superstar, sozusagen. Auf die musikalische Qualität darf man gespannt sein; Spaß und Unterhaltung sind in jedem Fall garantiert. (GEA)